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Preisträger 2022

 

Demokratie (er)leben

Lennard Roth (Freiberg) in der Kategorie »Miteinander stärken – Land gestalten (Demokratie)«

»Nicht meckern, sondern machen« lautet das Motto des Kinder- und Jugendparlaments Freiberg, in dem sich der 17-jährige Lennard Roth, wohnhaft in Niederschöna, engagiert. Seit 2016 ist er Mitglied des Vorstandes und setzt sich dafür ein, dass Kinder und Jugendliche in Freiberg Demokratie lernen und leben können.

»Ich finde es wichtig, dass junge Menschen erfahren, wie Demokratie funktioniert, damit sie aktiv daran mitwirken können. Gleichzeitig sorgen wir im Kinder- und Jugendparlament auch dafür, dass die Stimmen der jungen Generation gehört werden. Denn in der Politik fehlt oft der Blick für die Themen, die uns beschäftigen«, erklärt Lennard Roth.

Zwei Mal jährlich organisieren die jungen Parlamentarier deshalb eine Sitzung mit dem Oberbürgermeister, in der sie Fragen stellen, diskutieren und eigene Beschlussvorlagen einreichen. Mal geht es um den Erhalt von Freiberger Spielplätzen, mal um den kindgerechten Tourismus in der Stadt. So sollen bald in ganz Freiberg lebensgroße Neusilberfiguren historischer Persönlichkeiten aufgestellt werden. Mit Hilfe einer App können Kinder dann an zwölf Standorten interessante Geschichten und Fakten über Freiberg erfahren – geschrieben unter anderem von den Mitgliedern des Kinder- und Jugendparlaments.

Für Lennard Roth ist sein Engagement eine Selbstverständlichkeit: »Anders als viele glauben, wollen sich auch junge Menschen am gesellschaftlichen Diskurs beteiligen. Mit dem Kinder- und Jugendparlament in Freiberg geben wir ihnen eine Möglichkeit dazu. Denn hier kann man wirklich etwas erreichen.«

Eine Nummer gegen Kummer

Kerstin Baumbach (Zwickau) in der Kategorie »Menschen helfen – Gemeinsinn stiften (Menschen)«

Das Kinder- und Jugendtelefon mit der Nummer 116 111 und das Elterntelefon mit der Nummer 0800 111 0550 sind bundesweit erreichbar. Am anderen Ende der Leitung sitzt unter anderem Kerstin Baumbach. Die Telefonberaterin ist seit 2018 ehrenamtlich im Deutschen Kinderschutzbund Kreisverband Zwickau e. V. tätig und leistet seit 2019 telefonischen Beratungsdienst für Kinder, Jugendliche und Bezugspersonen.

Die »Nummer gegen Kummer« ist ein unter dem Dachverband organisiertes Beratungsangebot. Menschen wählen sie aus vielen verschiedenen Gründen, sagt Kerstin Baumbach: »Es geht um Freundschaft und Liebe, aber auch um Mobbing und Gewalt. Wer bei uns anruft, ist und bleibt anonym. Es soll niemand Angst davor haben, sich bei uns zu melden und mit uns über seine Probleme zu sprechen.«

Das Telefon ist oft die erste Anlaufstelle für Hilfesuchende. Im Gespräch suchen die Anrufenden gemeinsam mit Kerstin Baumbach nach Lösungswegen. Hilfe zur Selbsthilfe ist hier Konsens. Um mit schwierigen Gesprächssituationen am Telefon umgehen zu können, absolvieren die Beraterinnen und Berater einen Lehrgang, zu dem der Kinderschutzbund Zwickau jährlich aufruft.

Kerstin Baumbach wünscht sich, dass sich die Menschen weiterhin ehrenamtlich engagieren. »Für mich ist jedes Gespräch anders und besonders. Wenn ein junger Mensch sich bei mir bedankt, weil ich ihm zugehört habe und weil ich ihm glaube, dann hat sich meine Arbeit schon gelohnt. Besonders in einer ich-bezogenen Gesellschaft brauchen wir diesen Zusammenhalt.«

Gemeinsam für die Rittergutskirche

Henrik Mroska (Nordsachsen) in der Kategorie »Traditionen pflegen – Geschichte verstehen (Heimat)«

Als 2004 ein befreundeter Pfarrer Henrik Mroska von der zerfallenden Rittergutskirche in Kleinliebenau erzählte, fuhr dieser kurze Zeit später selbst zufällig durch den Ort. »Als ich die Kirche das erste Mal sah, war sie eine richtige Ruine. Fenster haben gefehlt, teilweise war die Kirche zugemauert, und auch drinnen war sie verwahrlost«, erzählt Mroska. »Mir ging es von Anfang an darum, dieses Kulturgut zu bewahren. Viele Menschen haben kaum noch Zugang zur eigenen Kultur, dabei ist das so wertvoll und wichtig«, fügt er an.

Wenig später erwarb Mroska die Kirche von der Stadt Schkeuditz für nur einen Euro – verbunden mit der Auflage, sie zu sanieren. Seine Vision: ein ökumenisches Gotteshaus und Kulturzentrum zu betreiben. Er baute eine Pilgerherberge für die an der Via Regia gelegene Kirche. Mit der Zeit kamen viele Unterstützer hinzu und halfen mit. Deren Engagement beeindruckte ihn sehr: »Einmal kamen Pilger aus Wroclaw und nahmen Hacke und Spaten in die Hand, um mitzuhelfen – obwohl sie an dem Tag schon 25 Kilometer gelaufen waren.«

Inzwischen ist die Kirche vollständig saniert. In der Pilgerherberge nächtigen rund 280 Pilger im Jahr. Die Vielzahl an ökumenischen und kulturellen Veranstaltungen und Angeboten beleben die Kirche und den Ort. Viele Menschen aus Kleinliebenau und Umgebung engagieren sich für die Kirche, übernehmen Betreuungen der Pilgerherberge, arbeiten am Programm mit und entwickeln es weiter. »Mit anderen etwas aufzubauen oder zu bewahren, macht mir Freude. Es ist einfach schön zu sehen, was man gemeinsam alles schaffen kann«, so Mroska.

Herzensprojekt Amerika-Tierpark

Tierparkförderverein Limbach-Oberfrohna e. V. (Zwickau) in der Kategorie »Schöpfung bewahren – Natur schützen (Umwelt)«

»Die Vielfalt der amerikanischen Tierwelt ist einfach beeindruckend«, schwärmt Prof. Klaus Eulenberger, Vorsitzender des Tierparkfördervereins Limbach-Oberfrohna e. V. »Diese Faszination wollen wir für die Besucher in unserem Tierpark erlebbar machen.«

Prof. Eulenberger stammt aus Limbach-Oberfrohna und kennt den 1952 gegründeten Tierpark von Anfang an. Als langjähriger Cheftierarzt im Leipziger Zoo, bekannt aus der beliebten MDR-Dokuserie »Elefant, Tiger & Co.«, ist er seit Vereinsgründung im Jahr 1992 Mitglied. Als Ruheständler übernahm er den Vorsitz. »Der Tierpark ist für mich ein Herzensprojekt«, sagt Eulenberger.

Seit 2010 wird der Zoo in Limbach-Oberfrohna zum Amerika-Tierpark umgebaut. Der Förderverein unterstützt dabei mit eigenen Projekten: Er baute beispielsweise eine Tierparkschule, in der Schülerlotsen ausgebildet werden. Ehrenamtliche organisieren Exkursionen in andere Tierparks im In- und Ausland, helfen bei der Beschaffung von Tieren aus anderen Tiergärten, organisieren Arbeitseinsätze sowie öffentliche Vortragsveranstaltungen und setzen sich für den Artenschutz und eine artgerechte Haltung der Tiere ein.

»Die Tiere Leben bei uns fast wie in freier Wildbahn. Denn die Anlagen für die Tiere und deren Umgebung gestalten wir so natürlich wie möglich«, so Prof. Eulenberger. Der Tierpark entwickelt sich immer mehr zum Besuchermagneten. Die Besucherzahl steigt stetig, zuletzt waren es 90.000 Gäste im Jahr. »Wir möchten die Besucher mit einem modernen Tierpark begeistern, sie aufklären und sensibilisieren. Damit die kostbare Vielfalt an Tieren auch in Zukunft erhalten bleibt.«

Kleiner Einsatz – große Wirkung

Miriquidi goes Africa (Erzgebirge) in der Kategorie »Global denken – lokal handeln (Welt)«

»Als wir nach Banjul fuhren, ging es uns erst mal darum, Spaß zu haben«, erzählt Rico Malz über die Teilnahme an der Rallye Dresden-Dakar-Banjul 2013. »Dort haben wir dann festgestellt, dass wir mit wenig viel Hilfe leisten können«. Damals fuhr er mit seiner Frau bei der Rallye mit. Am Ende werden die Fahrzeuge verkauft und von dem Erlös Projekte in Gambia unterstützt. Das Paar begegnete einem Jungen mit einer Spastik und ermöglichten ihm eine Behandlung. »Als wir ihn zum ersten Mal sahen, konnte sich Omar kaum bewegen. Nach nur sechs Wochen Behandlung konnte er wieder selbst laufen. Ein kleiner Betrag hat ihm ein normales Leben ermöglicht«, sagt Rico Malz. 

Zurück in Deutschland spendeten sie weiter Geld an Omar und gründeten kurze Zeit später einen Verein, um weitere Finanzierungsquellen aufzutun. Seit der Gründung werden weitere Projekte unterstützt: So versorgt der Verein Krankenhäuser in Gambia mit Verbandsmitteln. Zudem finanzierte er das Studium eines Schuleiters in Banjang. In dessen Schule können seitdem Schüler bis zur 10. Klasse unterrichten werden.

2018 nahmen vier Vereinsmitglieder erneut an der Rallye teil und lernten Ndey kennen. Für ihre Idee von einer Suppenküche gewann Rico Freunde als Unterstützer. Diese kauften ein Grundstück, auf dem gebaut werden konnte. Eineinhalb Jahre später war das Haus mit einer Küche, einem Shop und einem Gemüsegarten fertig. »Wir wollen nicht den Fisch geben, sondern die Angel. Wir schieben an, investieren und bringen Ideen ein. Doch am Ende soll ein Projekt selbständig laufen«, so Rico Malz.

30 Jahre Hilfe in Osteuropa

Partnerschaft mit Osteuropa e. V. (Coswig) mit dem Sonderpreis »Hilfe für die Ukraine«

»›Hilfe zur Selbsthilfe‹ lautet unser Motto«, sagt Thomas Kunze, der sich seit 30 Jahren im Verein engagiert. »Neben den regelmäßigen Hilfstransporten mit Sachspenden ist es uns wichtig, direkt vor Ort Hilfsprojekte von Partnern finanziell zu unterstützen und die Lebensverhältnisse zu verbessern«, ergänzt Vereinsvorstand Michael Müller.

Thomas Kunze und Michael Müller gehören zu dem 20-köpfigen Freundeskreis, der seit 1990 gezielt Hilfe für Rumänien und die Ukraine organisiert. »Rumänien war Anfang der 1990er im Umbruch. Im Fernsehen waren die katastrophalen Verhältnisse in rumänischen Kinderheimen zu sehen«, erklärt Müller. »Das war der Auslöser dafür, helfen zu wollen.« Der Verein organisierte daraufhin Hilfslieferungen in die Region Sibiu (Hermannstadt) und unterstützte u.a. eine Kinderstation in einem Krankenhaus, ein Waisen- und ein Altenheim sowie Familien in Not.

In der Ukraine werden seit 2009 eine Schule samt Internat in Krakovez unterstützt, und im westukrainischen Czernowitz finanziert der Verein die Stiftung »Neue Familie«, die Drogensüchtigen hilft und Präventionsarbeit leistet. »Wir wollen zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensumstände beitragen«, sagt Thomas Kunze. »Letztlich ist es unser Ziel, so zu helfen, dass wir eines Tages nicht mehr notwendig sind, um existenzielle Not zu lindern.«

Der Angriffskrieg Russlands hat die Hilfsarbeit verändert. »Unsere Partner versorgen inzwischen auch Flüchtlinge mit Lebensmitteln und Medikamenten oder kümmern sich um die Betreuung von Kindern in Flüchtlingsheimen«, so Müller.

Impressionen der Preisverleihung 2022

Mit der Bürgerpreisverleihung in der Frauenkirche Dresden sagen wir den Geehrten und Nominierten stellvertretend für alle, die sich im Dienst der Gemeinschaft selbstlos engagieren, Dank.

Maria Noth, Geschäftsführerin der Stiftung Frauenkirche Dresden
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