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Die Preisträger 2021

2021 wurden erneut fünf herausragende Projekte bürgerschaftlichen Engagements geehrt.

Die Preisträger und die vielen Nominierten stehen beispielhaft für all jene, die sich kümmern und anpacken. Sie stehen für Mitmenschlichkeit und Zusammenhalt. So gesehen ist der heutige Tag auch ein Feiertag für unsere Demokratie.

Ministerpräsident Michael Kretschmer

Gemeinsam für Demokratie und Vielfalt

Buntmacher*innen e.V. (Chemnitz) in der Kategorie Miteinander stärken – Land gestalten

Im Spätsommer 2018 rissen in Chemnitz die gesellschaftlichen Gräben sinnbildlich auf. Nach den Ausschreitungen rund um die Geschehnisse beim Chemnitzer Stadtfest standen sich Teile der Bevölkerung unversöhnlich gegenüber. Doch es gab Kräfte in der Zivilgesellschaft, die der Feindseligkeit mit einem gemeinsamen Dialog begegnen wollten – Die Buntmacher*innen waren geboren.

»Mit Dagegensein wurden Probleme noch nie gelöst. Wir wollten für etwas sein und grundlegende demokratische Werte befördern. Unser Ziel ist es vor allem, die ›stille Mitte‹ zu aktivem Engagement zu motivieren«, beschreibt Sven Hösel, Vorstandsmitglied des Buntmacher*innen e. V., die Gründungsidee.

Seither setzen sich die Buntmacher*innen für gelebte Toleranz, Solidarität und Frieden ein. In vielfältigen Projekten bringen sie Menschen zusammen, bewegen sie zum Mitmachen und stärken so die Zivilgesellschaft vor Ort. Dabei sind die Buntmacher*innen stets kreativ: Mal veranstalten sie eine Upcycling-Aktion mit ausgemusterten Veranstaltungsplakaten, sprühen mit Kreide demokratische Grundwerte auf die Chemnitzer Straßen und beleuchten Stolpersteine zum Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November.

Das prominenteste Vorhaben des Vereins kann im Herzen von Chemnitz bestaunt werden – die Bunte Treppe. Im Rahmen der Aktion »Nimm Platz« der Stadt Chemnitz färbten die Buntmacher*innen Treppenstufen in der Innenstadt ein und gaben der Stadt ein Symbol für die Vielfalt der Chemnitzer Gesellschaft.

Mit ihren Projekten im öffentlichen Raum wirken die Buntmacher*innen der spürbaren gesellschaftlichen Spaltung entgegen. Sie stärken die demokratische Alltagskultur, indem sie Möglichkeiten der Beteiligung und Mitgestaltung bieten und die Gesellschaft dazu animieren, aufeinander zuzugehen und sich gegenseitig Gehör zu schenken.

Etelka Kobuß, Migrationsbeauftragte der Stadt Chemnitz

Hoffnung durch Miteinander

Kirche im Laden e. V. (Falkenstein/Vogtland) in der Kategorie Gemeinsinn stiften

»Suchet der Stadt Bestes« (Jeremia 29,7) lautet der Leitspruch des 2004 gegründeten gemeinnützigen Vereins Kirche im Laden. Das christliche Projekt in Falkenstein im Vogtland vereint für Besucher aller Altersgruppen und Bevölkerungsschichten Mission, Seelsorge und Daseinsbegleitung.

Durch den Hoffnungsimpuls, der sich durch alle Bereiche der Vereinsarbeit zieht, soll dabei eine Brücke zwischen Kirche und Gesellschaft geschlagen werden.

»Mit Kirche im Laden ist ein Projekt entstanden, das sich besonders an Menschen richtet, die im gesellschaftlichen Alltag normalerweise durch das Raster fallen.«, sagt Pfarrer Jörg Grundmann, Vorsitzender des Vereins. »Wir richten unseren Blick immer wieder in die Gesellschaft und sprechen mit verschiedenen Angeboten die Gruppen an, die Hilfe brauchen – durch Worte, Taten und ganz praktische Dinge.«

Seit fast zwei Jahrzehnten engagieren sich insgesamt über 40 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dem Projekt. Ein angemieteter Laden in Falkenstein bietet Raum für Austausch, Gespräche und gemeinsame Aktivitäten wie Spieleabende oder Handarbeitskreise. Zentrale Initiative des Vereins ist die wöchentliche Brotkorbausgabe. Jeden Freitag können sich Bedürftige hier Lebensmittel abholen, einander begegnen und zum Gebet zusammenkommen.

Der Verein wolle den Menschen dadurch auch in Zukunft Hoffnung vermitteln, so Pfarrer Grundmann. »Wir möchten immer auch etwas für die Seele mitgeben und zeigen, dass da jemand ist, der zuhört und Unterstützung anbieten kann – auch in Zeiten, in denen der Blick füreinander manchmal verloren geht.«

Mit der Beratung in Notlagen und den Gesprächen über Kirche, Glaube und gesellschaftliche Entwicklungen leistet Kirche im Laden einen nicht mehr wegzudenkenden Beitrag für unsere Gemeinde. Es ist dem unermüdlichen Wirken des Vereins zu verdanken, dass Menschen wieder Hoffnung schöpfen können. Für dieses außergewöhnliche Engagement können wir als Stadt Falkenstein nur danken.

Marco Siegemund, Bürgermeister Stadt Falkenstein/Vogtl.

Historie zum Erblühen bringen

Heimatverein Königsbrück und Umgebung e. V. (Bautzen) in der Kategorie Traditionen pflegen – Geschichte verstehen

Seit über 25 Jahren arbeitet der Heimatverein Königsbrück und Umgebung e.V. in vielfältigen Projekten daran, die Geschichte der Region zu erforschen und andere Menschen daran teilhaben zu lassen.

Dabei haben die 70 Mitglieder des Vereins schon viel bewegt: Sie haben den historischen Schlossturm in Königsbrück wiederhergestellt, einen historischen Stadtrundgang mit Infotafeln entwickelt, die bedeutsame Militärgeschichte der Umgebung aufgearbeitet und eines der wertvollsten Kunstwerke der sächsischen Geschichte restauriert – das Schellendorff’sche Epitaph.

Für Peter Sonntag, den Gründungsvorsitzenden des Vereins, steht über allem eine klare Motivation: »Für uns ist Tradition ein gesellschaftliches Gemeinschaftswerk, das durch Begegnung entsteht und Zusammenhalt schafft. Unsere Angebote sind Einladungen an alle Menschen. Wir lassen sie zusammenkommen und an unserer Heimat und unseren Traditionen teilhaben.« Dieses Versprechen löst der Heimatverein vor allem mit seiner größten Attraktion ein – den Königsbrücker Kamelien.

Schon seit zwanzig Jahren pflegt der Verein die historischen Blüten, die im frühen 19. Jahrhundert nach Königsbrück kamen. Jedes Jahr pilgern tausende Besucher nur wegen der einzigartigen Pflanzen in die Stadt. Seit einigen Jahren führen Schülerinnen regelmäßig blinde Menschen durch das Gewächshaus, um die Kamelien gemeinsam zu erleben. Sogar ein Parfum wird aus den Kamelien gewonnen, das hervorragend bei Jung und Alt ankommt.

Der Heimatverein Königsbrück und Umgebung e.V. zeigt seit vielen Jahren unermüdlichen Einsatz und Engagement im Ehrenamt. Er erinnert an Geschichte, informiert über bereits Vergessenes, schafft kleine Denkmale und pflegt Traditionen. Wir als kleine Stadt sind sehr froh, so einen regen Verein zu haben, der das Leben von Königsbrück bereichert.

Heiko Driesnack, Bürgermeister der Stadt Königsbrück

Ein Herz für Wildtiere

nature support e. V. (Gerichshain/Landkreis Leipzig) in der Kategorie Schöpfung bewahren – Natur schützen

Dieses Wirken ist wichtig und wertvoll. Es macht unsere Gesellschaft stärker, unser Miteinander herzlicher und lässt uns die Herausforderungen des Alltags besser meistern.

Maria Noth, Geschäftsführerin der Stiftung Frauenkirche Dresden

Fürsorge, Geduld und die Liebe zur Natur: Jens Hörig kümmert sich seit vielen Jahren um verletzte Vögel und Wildtiere im Raum Leipzig. Nach der Erstversorgung und einer Behandlung in der Tierklinik päppelt er seine Patienten in eigens finanzierten und gebauten Volieren und Gehegen wieder auf – bis sie danach wieder in ihre gewohnte Umgebung zurückfliegen, hoppeln oder springen. Für die richtige Haltung der Tiere während ihres Aufenthaltes hat der Tierfreund auch seinen Falknerschein gemacht.

Neben der aufopferungsvollen Arbeit – vor allem in der Hochzeit zwischen Frühjahr und Herbst kommen beinahe täglich neue Zöglinge an – gibt Jens Hörig zusammen mit seiner Lebensgefährtin ihr Wissen in Umweltprojekten an Schulen oder in Vereinen weiter.

Aber damit nicht genug: In seiner immer knapper werdenden Freizeit führt er in verschiedenen Wäldern und Naturschutzgebieten der Region Vogelzählungen durch. In seinem Wirkungsbereich führt Jens Hörig regelmäßige Rundgänge durch, um Umweltsündern auf die Spur zu kommen, und kümmert sich gemeinsam mit den Pächtern der Wälder um die Pflege und den Erhalt der Nistkästen.

Ein intaktes Ökosystem – dafür setzt sich Jens Hörig täglich mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl ein. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin zeigt Herr Hörig unermüdlichen Einsatz, um das Leben der wilden Patienten zu retten. Sein Beitrag zum Naturschutz ist für den Landkreis Leipzig von großer Bedeutung und nicht mehr wegzudenken.

Silke Benndorf, Landratsamt Landkreis Leipzig

Brückenbauer nach Belarus

Tschernobylinitiative Ottendorf-Okrilla e. V. in der Kategorie Global denken – lokal handeln

Der Verein hilft strahlengeschädigten Kindern und Familien in der belarussischen Region Buda-Koschelewo. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 waren in Belarus 70 Prozent der Radioaktivität niedergegangen. Die Gegend ist auch noch 35 Jahre danach verstrahlt.

»Viele Opfer von Tschernobyl sind heute noch gar nicht geboren«, erklärt Kees van der Kamp, der sich seit 1998 engagiert. »Die Hälfte der damals freigesetzten Radioaktivität ist noch immer da. Inzwischen leidet die dritte Generation unter Krankheiten, die auf Veränderungen im Erbgut zurückzuführen sind.«

Jährlich kommen 20 bis 25 Kinder aus Buda-Koschelewo nach Ottendorf-Okrilla in die Erholungsferien. Der Verein wird dabei durch Kirchgemeinde und Gemeindeverwaltung unterstützt. So erhalten die Kinder etwa Verpflegung der Schulküche oder können kostenfrei ins örtliche Freibad.

Durch den Kuraufenthalt wird die Strahlenbelastung der Kinder um 30 bis 50 Prozent verringert. Außerdem fährt die Initiative zwei Mal im Jahr Hilfstransporte nach Belarus – mit Kleidung und Spielsachen, aber auch Mobiliar und Fahrrädern sowie Spezialbedarf für behinderte Kinder. Die Pandemie erschwert diese Hilfstransporte derzeit und macht die Kinderferien unmöglich. 

»Der Bürgerpreis gehört all den Menschen, die mithelfen«, sagt Kees van der Kamp. »Neben den Gasteltern und den Ehrenamtlichen, die sich um Spenden und Lager betreuen oder die Hilfspakete packen sind das vor allem unsere standhaften Partner vor Ort in Belarus. Ohne sie gäbe es die Brücke von Sachsen nach Buda-Koschelewo nicht.«

Die Gemeinde ist stolz auf die Gemeinschaft und das Miteinander, das durch die Initiative entsteht – vor allem wenn die Kinder aus Belarus hier ihre Zeit verbringen und alles Schreckliche für einen Moment vergessen.

Rico Pfeiffer, Bürgermeister von Ottendorf-Okrilla

Impression der Sächsischen Bürgerpreisverleihung 2021

Mit der Bürgerpreisverleihung in der Frauenkirche Dresden sagen wir den Geehrten und Nominierten stellvertretend für alle, die sich im Dienst der Gemeinschaft selbstlos engagieren, Dank.

Maria Noth, Geschäftsführerin der Stiftung Frauenkirche Dresden
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